Blackout – Gefahr oder Verschwörung?

Wie hoch ist die Gefahr eines Blackout wirklich?

Vor allem in sozialen Medien, aber auch in den sog. Mainstreammedien findet das Thema Blackout immer mehr Interesse. Was passiert bei einem Blackout und wie hoch ist die Gefahr eines Blackouts? In diesem Artikel werden wir etwas Licht ins Dunkel bringen.

air air pollution chimney clouds
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Was passiert bei einem Blackout?

Als Blackout bezeichnet man eine überregionale und länger andauernde (mehr als 12 Stunden und bis mehrere Wochen) Großstörung der Energieversorgung und somit einem Ausfall der Infrastruktur und Versorgung. Dabei ist eine Hilfe von Außen nicht möglich, bzw. nicht erwartbar. Auslöser sind hierbei z. B. Extremwetterereignisse, Komplexitätsüberlastung, Cyber-Angriffe, Erdbeben, Terroranschläge, technisches Versagen, aber auch z. B. Marktmanipulation. Hierbei sind große Landstriche, ganze Länder oder auch im schlimmsten Fall ganz Europa betroffen.

Aufgrund der nahezu vollständigen Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geräten würden sich die Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls zu einer Schadenslage von besonderer Qualität summieren. Betroffen wären alle Kritischen Infrastrukturen, und ein Kollaps der gesamten Gesellschaft wäre kaum zu verhindern. Trotz dieses Gefahren- und Katastrophenpotenzials ist ein diesbezügliches gesellschaftliches Risikobewusstsein nur in Ansätzen vorhanden.

https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/buecher/petermann-etal-2011-141.pdf

Dies ist nicht zu verwechseln mit einem lokalen Stromausfall, der in den Medien gerne als Blackout bezeichnet wird. Dessen Ursache ist meist ein lokales Unwetter, Bauarbeiten oder auch Tiere, die sich in Trafostationen verirrt haben und dort einen Kurzschluss auslösen. Jedoch kann sich aus einem lokalen Stromausfall ein Blackout entwickeln.

Wie entsteht ein Blackout?

Das europäische Stromnetz (UCTE) umfasst 24 Länder von Portugal bis Bulgarien. Aber auch Algerien, Marokko, Tunesien, sowie die Türkei sind mit dem europäischen Netz synchronisiert. Dieses Netz hat eine Frequenz von 50 Hertz. Die Aufgabe der Netzbetreiber und Stromproduzenten liegt nun darin, diese Frequenz möglichst genau einzuhalten. Hierbei müssen ständig Schwankungen nach oben und unten korrigiert werden. Dies geschieht mit vielfältigen Maßnahmen bei Erzeugung und Verbrauch. Wird weniger Strom verbraucht, als produziert wird, steigt die Frequenz. Wird mehr Strom verbraucht, als produziert wird, sinkt diese. Bereits bei 49,8 Hertz werden Leistungsreserven aktiviert Schrittweise werden Verbraucher abgeworfen und bei einer Unterfrequenz von 47,5 Hz werden Kraftwerke vom Netz getrennt. Bei einer Überfrequenz jedoch werden Erzeuger abgeworfen.

Werden diese Grenzen überschritten, kommt es zu einem Ungleichgewicht im Netz. Helfen diese Maßnahmen nicht, bzw. treten zu viele Ereignisse gleichzeitig auf, wird der Netzbetrieb komplett eingestellt. Es kommt zum sog. Blackout. Danach wird versucht das Netz neu aufzubauen. Hierbei werden dann die Ursachen identifiziert und dadurch die Störungen behoben.

Wahrscheinlichkeit eines Blackout

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim deutschen Bundestag hat bereits im November 2010 einen Arbeitsbericht herausgebracht, der sich mit der “Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen Ausfalls der Stromversorgung” beschäftigt. Auch gibt es hier vom gleichen Büro das Buch “Was bei einem Blackout geschieht” ebenfalls aus dem Jahre 2011. Genaueres darüber finden Sie in einem separaten Bericht.

Der österreichische Zivilschutzverband hat im Jahr 2017 einen Ratgeber mit dem Titel “Blackout Ratgeber” herausgebracht. Das deutsche “Bundesamt für Bevölkerungsschutz” hat lediglich den “Stromausfall” als Ratgeber thematisiert. Unsere österreichischen Nachbarn liefern hierzu wesentlich mehr Informationen. Hervorzuheben ist der anerkannte Experte und Regierungsberater Herbert Saurugg. Auf seiner Internetseite bietet er auch eine Vielzahl von Informationen und Hilfestellungen in Form von Checklisten zum Thema “Blackout”. Link dazu: http://www.saurugg.net

Der Netzbetreiber Amprion z. B. warnt vor Engpass bei gesicherter Leistung. Ab 2025 sieht der Netzbetreiber dass die “kontrollierbare Erzeugung” aus konventionellen Kraftwerken die Spitzenlast unterschreiten werde. Die Engpässe im Netz haben sich von 2019 mit 8% auf 14% in 2020 erhöht. Und das trotz deutlich weniger Verbrauch durch die C-Pandemie.

Durch die massive Abschaltung konventioneller Kraftwerke wird der Strommarkt immer mehr unberechenbar. Aber auch die Möglichkeit des Frequenzausgleichs durch konventionelle Kraftwerke fällt weg. Nicht das Wirtschaftsministerium sieht die Gefahren, sondern der Bundesrechnungshof fordert einen “Stresstest” da dieser die Versorgungssicherheit in Frage stellt. Da die EU und vor allem Deutschland jetzt auch Luft besteuert, schalten die Kraftwerksbetreiber immer mehr plan- und steuerbare Kraftwerke (Kohlekraftwerke) ab. Besonders in den Sommermonaten werden diese stillgelegt. Dies entspricht dann einer Leistung von knapp 3 Gigawatt. Zur Erinnerung: Beim letzten Zwischenfall in Polen haben im europäischen Netz 3,5 Gigawatt gefehlt.

Nach einer Tabelle der Bundesnetzagentur werden bis 2023 etwa 14,9 Gigawatt konventionelle Kraftwerksleistung wegfallen. Im Bau befinden sich 2,5 GW. Das bei einer Gesamtleistung am Strommarkt von 214,1 GW. Dies entspricht etwa 7% der Stromproduktion. Dazu kommt jedoch ein Mehrverbrauch durch Elektromobilität. Das Argument der erneuerbaren Energien steht hierbei auch auf sehr wackligen Füßen, da die geplante Inbetriebnahme des Südlink für das Jahr 2028 (2 Jahre später als ursprünglich geplant war) vorausgesagt wird.

Liest man quer durch verschiedene Medien, erfährt man dass sich alle europäischen Länder letztendlich auf das Ausland verlassen. Also das Ausland, welches gerade Kraftwerkskapazitäten abbaut.

Man könnte die Liste hier noch weiterführen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Versorgungssicherheit diplomatisch ausgedrückt schlecht und somit das Risiko eines flächendeckenden Blackout sehr hoch ist. Das Wunder der plötzlichen Entstehung von Stromleitungen und Kraftwerken werden wir wohl nicht erleben. Zudem wird mit z. B. dem “Cyber Polygon” an der Steuerung der Infrastruktur gebastelt und wohl einigen Hackern ein Ideenpool geliefert, wie diese ihr Werk wohl auch vollbringen können.

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Wie lange dauert ein Blackout?

Fachleute in verschiedenen Publikationen gehen von einem Szenario von 8 bis 10 Tagen aus. In der Publikation des deutschen Bundestages wird von zwei Wochen gesprochen. Letztendlich ist es aber nicht abzuschätzen, da ein solches Szenario zu komplex ist. Man hat Unwägbarkeiten von zerstörten Trafostationen, zerstörten Erzeugungsanlagen und möglicherweise auch Steuerungsanlagen, die komplett erneuert werden müssen. Hier kommt es dann darauf an, ob die benötigten Ersatzteile, Geräte und Maschinen verfügbar sind und ob das entsprechende Personal dazu verfügbar sein wird. Fallen Trafoanlagen aus, wird es sicher nicht in 2 Wochen möglich sein, diese neu aufzubauen.

Im nächsten Bericht erfahren Sie dann einen Ausschnitt der Auswirkungen eines Blackout. Abschließend wird man das nicht bewerten können, da die wirklichen Auswirkungen nicht vorhersehbar sind.

Quellennachweise:

Internetseite Herbert Saurugg: https://www.saurugg.net/
TAB beim deutschen Bundestag: https://www.tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/buecher/petermann-etal-2011-141.html
Zivilschutzverband Österreich: http://zivilschutzverband.at/
Bundesnetzagentur: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Home/home_node.html;jsessionid=CB242BC1318DE9A9011F1567F9D39D57
Bundesamt für Bevölkerungsschutz Deutschland: https://www.bbk.bund.de/DE/Home/home_node.html

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